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Medienverhalten des eigenen Kindes stärken

Mehrere Erwachsene sitzen in einem hellen Raum auf gepolsterten Stühlen und hören aufmerksam zu. Sie blicken nach vorn, wirken konzentriert und nachdenklich. Vor ihnen stehen Getränke auf dem Boden und Tischen. Die Szene erinnert an eine Gesprächsrunde oder ein Informations­treffen.DRK Kreisverband Tecklenburger Land e.V.

Infoveranstaltung zum Umgang mit Social Media zeigt Wege der Begleitung bei Menschen mit geistiger Beeinträchtigung auf

Leo Cresnar, Medienpädagoge der Jugendbildungsstätte Tecklenburg und Mediencoach der Initiative Eltern und Medien, eröffnete am vergangenen Donnerstagabend um 18.00 Uhr den Infoabend zum Thema „Social Media – Chancen und Risiken für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung“. Die Veranstaltung, welche von der DRK-Kontaktstelle für Eltern und Angehörige initiiert wurde, vermittelte den Eltern Fakten zur aktuellen Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen und gab Einblick in Möglichkeiten der Begleitung.

Die Nutzung von sozialen Medien gehört für viele Menschen mit Beeinträchtigung genauso zum Leben dazu, wie für Menschen ohne Beeinträchtigung. Doch abhängig vom Ausmaß der geistigen Beeinträchtigung gilt es von Elternseite die Mediennutzung aufmerksam zu begleiten und ihre Kinder auch für mögliche Risiken zu sensibleren. Ein Vater des rund 10-köpfigen Teilnehmerkreises stellt sein Problem ganz exemplarisch für den Teilnehmerkreis dar: „Meine Tochter,15 Jahre, ist sich gar nicht bewusst, dass es auch Menschen gibt, die es nicht gut mir ihr meinen.“ Diesen Umstand sieht Cresnar als klassisches Problem, welches allerdings nicht nur bei Menschen mit Beeinträchtigung auftritt, sondern grundsätzlich dem Entwicklungsstand eines Kindes zugeschrieben wird.

Im Laufe des Abends häufen sich immer wieder Fragen zum Umfang und Ausmaß der Begleitung. Bei der Entscheidung wie stark ein Kind oder Jugendlicher beim Medienkonsum von Eltern begleitet werden muss, nennt Cresnar das Verhalten als Kriterium: „Reagiert Ihr Kind eher kindlich und zeigt, dass es Risiken nicht realistisch einschätzen kann, sollten Sie das Ausmaß der Begleitung, an den Entwicklungsstand des Kindes anpassen.“ In der Entwicklungsphase der Pubertät könnte die Bezugsperson im Hinblick auf das Medienverhalten wechseln: „Eltern sind in dieser Phase eher selten die Ansprechpartner:innen erster Wahl. Alternativ kann aber auch jede andere Person, die ein gutes Verhältnis zum Kind/Jugendlichen hat, die Rolle als Begleitung übernehmen.“ Sollte sich niemand finden, so empfiehlt Cresnar auch den Gang zu einer entsprechenden Beratungsstelle mit Schwerpunkt Medienpädagogik.

Neben pädagogischen Methoden wie einem Medienvertrag zwischen Kind und Eltern, in dem gemeinsame Regel zum Medienkonsum und Medienverhalten erarbeitet werden, nennt Cresnar auch Möglichkeiten wie die Drittanbieter-Sperre und die Nutzung von Tools, welche Filterfunktionen für Kinder und die Sperrung bestimmter Apps anbieten. Nach dem fachlichen Input bleibt noch Zeit für Austausch, indem Cresnar auf die sehr individuellen Fragestellungen der Eltern eingeht. 

Britta Eilers von der DRK-Kontaktstelle betont gegen Ende der Veranstaltung nochmal: „Die Eltern haben Kinder mit sehr unterschiedlichen Ausgangslagen. Das reicht vom Downsyndrom, bis hin zu kognitiven oder sozialen Beeinträchtigungen. Umso schöner, dass den Eltern viele Gesprächsanlasse und Anwendungsbeispiele mit auf den Weg gegeben wurde.“

 

DRK-Kontaktstelle für Eltern und Angehörige:

Das DRK hat im Jahr 2024 eine Kontaktstelle aufgebaut, die für Eltern und Angehörige von Menschen mit Beeinträchtigung eine Unterstützung anbietet. Das Projekt zielt darauf, die Autonomieprozesse von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen zu fördern. Die Familien werden auf dem Weg der Verselbstständigung ihrer erwachsenen Kinder unterstützt. Die Beratungsstelle ist durch die Aktion Mensch gefördert/finanziert.